Modelling oberes Zuspiel

Kopf im Sand

Modelling geht auf die Annahme zurück, dass das, was ein Mensch gut kann, für einen anderen ebenfalls möglich ist, wenn er dieselbe Strategie nutzt. Ich modelliere gerade das obere Zuspiel im Sand von Peter Große und habe die Inhalte hier für dich zusammengefasst.

 Ich liebe die Technik des oberen Zuspiels und ich finde es sehr schade, dass sie so wenig genutzt wird. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich sie bis zum einem bestimmten Level beherrsche, aber bei höherklassigen Turnieren oft nicht mehr darauf zugreifen kann. Einige technische Aspekte halte ich in meinem Spiel für verbesserungswürdig, außerdem ist mir aufgefallen, dass ich in der Halle viel selbstbewusster pritsche als im Sand. Daher wollte ich herausfinden, was ein guter Zuspieler im Sand macht und was er über sich denkt. Als Modell habe ich mir Peter Große ausgesucht, Zuspieler in der Dritten Liga bei den Preußen Volleys und auch hervorragender Zuspieler im Sand. 


Modelling geht auf die Annahme zurück, dass das, was eine Person gut kann,                         für eine andere ebenfalls möglich ist, wenn sie dieselbe Strategie nutzt

 

Das gesamte Interview mit Peter findest du bei Soundcloud. Darin erfährst du auch, was es für einen enormen Einfluss auf die sportliche Karriere haben kann, wenn die Mutter einen vom Training abholt. In den letzten vier Minuten gebe ich dir noch einige Tipps, wie du die Strategie für dich übernehmen kannst.

 

Wenn du gern selbst etwas modellieren möchtest, vielleicht auch etwas anderes als das obere Zuspiel, dann kannst du gern unten auf der Seite den Fragebogen herunterladen, den ich für dich und dein Modell erstellt habe. 

Modellingprozess & Kernpunkte

Zunächst habe ich Peter gefragt, wo er die elementaren Unterschiede zwischen dem Zuspiel im Sand und dem in der Halle sieht.

Er nannte mir fünf Punkte:

1. Ich stehe später fest als in der Halle.

2. Die Handgelenke sind fest, während sie in der Halle locker sind.
3. Ich spiele den Ball steiler nach oben als in der Halle.

4. Ich umwickle den Ball mit den Händen, während ich ihn in der Halle vor allem mit Zeigefinger und Daumen berühre.

5. Die Bewegung erfolgt tiefer über der Stirn. 

 

Schon das allein hat mir geholfen, denn mir ist aufgefallen, dass meine Handgelenke eher locker sind und ich mich schon recht früh in die Zuspielposition begebe. 

 

Richtig spannend wird es, die Glaubenssätze, Gedanken und Metaprogramme zu vergleichen.

Was sind Metaprogramme? (Link folgen)

 

Bei Peter laufen die Metaprogramme „Anfang“ und „Detail“. Er zerlegt die Bewegung in die Teile „Bewegung zum Ball“ als Grundlage, um überhaupt erfolgreich pritschen zu können und „Ausrichtung“. Ich habe die Bewegung bislang als Ganzes betrachtet.
Peter konzentriert sich bewusst mehr auf den ersten Teil der Bewegung, die richtige Position unter dem Ball.  Zunächst macht er nur zwei Auftaktschritte. "Ich positioniere mich dort, wo ich denke, dass die Annahme ungefähr hinkommen könnte. Ich sehe die Annahme, dann entscheide ich mich zu pritschen und mache anschließend die Bewegung zum Ball, um pritschen zu können.
Die Bewegung zum Pritschen ist erst möglich, wenn du dich entschieden hast, dass du pritschst", sagt er. 

 

Unterschied: Ich bin ich auf den Moment fokussiert, wenn meine Hände den Ball berühren und nicht auf den Prozess davor. Ich laufe genauso früh los wie in der Halle, bin oft bereits zu weit unter dem Ball und muss laufend ausgleichen. Dadurch habe ich oft keinen stabilen Stand und fokussiere mich nur auf die Berührung meiner Hände mit dem Ball. Wenn die nicht gut ist, ärgere ich mich. Bislang habe ich von mir erwartet, eine saubere Berührung hinzubekommen, die Positionierung dabei aber nicht bewusst berücksichtigt . Mein Ziel ist es jetzt, die Metaprogramme von Peter für meine Bewegung anzuwenden. Dabei hilft mir ein Satz von Peter besonders: „Du kannst oben nicht retten, was du unten verkackt hast.“

 

Er sagt außerdem: "Wenn ich mit meinem Resultat nicht zufrieden bin, konzentriere ich mich vor allem auf meine Positionierung und Ausrichtung. Meistens pritscht man schlecht, weil die Bewegung vorher schlecht war. Du pritschst mit den Beinen zuerst und dann erst mit den Armen. Du musst die Basis dafür schaffen, dass du überhaupt die Chance hast, einen technisch sauberen Pritscher mit den Händen zu machen."

 

Wahrnehmung
Wenn Peter zuspielt, nimmt er peripher das gesamte Feld wahr. "Ich bin permanent mit der Wahrnehmung beschäftigt so dass ich gar nicht so viel auf mich selbst achten kann."

Unterschied: Ich habe ein enges Wahrnehmungsfeld, sehe den Ball von oben auf mich zufliegen und nehme visuell nur mich und den Ball wahr. 

 

Gefühl

Peter:  „Es ist nicht der eine Punkt, an dem ich pritsche. Ich möchte den Ball mit den Händen nach oben begleiten.“
Unterschied: Wenn ich pritsche, fühlt sich das für mich wie ein kurzer Schlag an, meine Hände platschen gegen den Ball, es ist eine gefühlt sehr kurze Bewegung. 

 

Fokus

Peters Fokus liegt im Außen, bei seinem Angreifer. Wo ist der Angreifer? Welcher Pass ist jetzt der Beste? Wie stark ist Wind?
Mein Fokus liegt entweder beim Schiedsrichter, bei den Gegnern, die das Zuspiel bemängeln könnten oder auf mir selbst.

 

Gedanken

Peter denkt über sich: „Ich habe als Zuspieler die Möglichkeit, eine perfekte Situation zu erzeugen.“

Ich denke: „Hoffentlich versaue ich die Situation nicht mit meinem Zuspiel.“

 

Motivation

Peter (hin zu) :„Ich will die Ausgangsposition für den Angreifer verbessern. Ich freue mich, wenn das Zuspiel präzise kommt, so dass es in den Rhythmus des Angreifers passt.“

Ich (weg von): „Hoffentlich kommt der Pass an. Hoffentlich wird mein Zuspiel nicht abgepfiffen."

 

Glaubenssätze
Peter

"Ich kann mein Spiel über das Zuspiel definieren."

"Es wird nie ein Spiel daran scheitern, dass ich nicht gut zuspielen kann. Vielleicht bin ich mal unkonzentriert und mir geht mal einer weg, aber ich weiß, dass das nicht mein Thema ist."

"Zuspiel ist die sichere Bank."

"Ich weiß, dass ich einen extremen Einfluss auf das Spiel haben kann." 

"Ich bin in der Halle der Denker des Spiels. Das kann ich in den Sand mitnehmen."

"Sobald der Ball von der Annahme irgendwie hochkommt, habe ich als Zuspieler die Möglichkeit, eine perfekte Situation zu erzeugen."

 "Man kann sich auch mal geil finden, wenn man einen guten Balkontakt hatte."

 

Ninja

"Der Ball ist so schwer.“

„Puh, das ist schwierig.“

„Hoffentlich pritsche ich den jetzt ordentlich.“

„Es nervt, dass ich nicht einfach so pritschen darf wie in der Halle.“

 

Wann ist das Zuspiel gut?

Spannend fand ich auch, dass Peter ein gutes Zuspiel selbst für sich definiert. Ich mache mich in der Bewertung meiner Leistung zu 100% abhängig von meinem Partner. Wenn ich einen Pass nach meinem Empfinden und den Umständen entsprechen gut zugespielt habe, von meiner Partnerin aber das Feedback bekomme, dass sie ihn anders gebraucht hätte, entsteht bei mir direkt ein negatives Gefühl bezüglich meiner Aktion. 
Peter sieht das anders:

"Wenn ich hab das gemacht habe, was ich für optimal empfunden hätte, freue mich darüber, dass ich es so getan habe. Dann hole ich mir Feedback beim Partner ein. Möchtest du die Situation nächstes Mal anders von mir vorbereitet haben? War das aus deiner Sicht falsch? Jetzt habe ich einen neuen Wissensstand und würde es beim nächsten Mal anders spielen. Aber das heißt ja nicht, dass meine Aktion vorher schlecht war, weil ich nicht wusste, was er gebraucht hätte. Ich hab das umgesetzt, was ich als hilfreich und gut empfunden habe. Das ist ja erstmal nichts Schlechtes."

 

Identität

Auf die Fragen was ein externer Beobachter sehen würde, wenn er ihm zusähe, sagt Peter: „Ich hoffe, eine unterstützende Person, jemanden, der seinem Partner hilft.“  Seine Identität als Zuspieler definiert er als eine Person, die ihren Partner unterstützt. Das möchte er durch sein Zuspiel auch sichtbar machen. Ich finde, das ist ein sehr schönes Ziel.

 

Danke, Peter für die inspirierenden Einblicke in deinen Kopf

Hier gibt es noch ein cooles YouTube-Video über das obere Zuspiel im Sand von den McKibbin Brothers, die Olympiateilnehmer Casey Patterson dazu interviewt haben.

Modelling Fragebogen

Download
Fragebogen für dein Modelling
Hier findest du einige Hinweise und Beispielfragen für den Fall, dass du gern die Fähigkeit einer anderen Person durch Modelling erlernen möchtest.
Fragebogen Modelling.pdf
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