Hallo Selbstzweifel,

Kennst du das Gefühl? Du möchtest gern etwas machen, doch da ist diese Stimme in dir, die sagt: "Du kannst das nicht." Dir fallen lauter Gründe ein, warum es nicht klappen kann, nur keiner, der dich stärkt? Du fühlst dich klein und unsicher, also lässt du lieber alles so wie es ist? Glaubt mir, du bist nicht allein.

 

Vertrauenswürdige Quellen

 

Manchmal, wenn ich den Staubsauger über den Fußboden gleiten lasse, höre ich etwas, das so klingt wie das laute Schlürfen einer gefräßigen Raupe. Es folgt ein Gurgeln und mir ist klar: Gerade habe ich gedankenverloren etwas aufgesaugt, das gar nicht für meinen Staubsauger bestimmt war.  

 

Unsere Art, Dinge um uns herum aufzunehmen, erinnert mich manchmal an diesen unersättlichen Staubsauger. Mit unseren Wahrnehmungsfiltern, allen voran unseren Augen und Ohren, saugen wir alle möglichen Informationen ein und fangen an, sie zu glauben.

 

Denk mal über die eine Sache nach, die du schon so lange machen willst. Was glaubst du über dich, das dich daran hindert, es zu tun? Und wo hast du diese Information her? 

 

Walt Disney wurde bei einer Zeitung entlassen, weil er angeblich nicht kreativ genug war. Joane K. Rowling bekam von einem Verlag den Rat, sich einen anderen Beruf zu suchen, als sie ihren Roman über einen gewissen „Harry Potter“ einreichte. Was wäre passiert, wenn beide diese Aussagen geglaubt hätten?

 

Für alle „Game of Thrones“- Fans gibt es ein schönes Zitat dazu von Jon Snow. Als die Drachenkönigin Daenerys Targaryen überzeugt war, keine Kinder bekommen zu können, fragte er sie, woher sie das wisse. Die Quelle ihrer Information war die Zauberin, die ihren Mann getötet hatte. Jon schaute Daenerys an und fragte: „Has is ever occurred to you, that she might not have been a reliable source of information?“ Ist dir jemals in den Sinn gekommen, dass sie eventuell keine verlässliche Quelle für diese Information ist? 

 

Menschen sagen viel über sich selbst 

 

"Bist du dir sicher, dass du das machen willst?", "Puh, also ich würde mir das nochmal überlegen", "Das schaffst du nicht", "Das ist eine Nummer zu groß für dich", "Lass das mal lieber jemanden machen, der sich damit auskennt". Kommt dir einer dieser Sätze bekannt vor?

 

Je häufiger wir einen Satz hören und je wichtiger die Person für uns ist, die ihn sagt, desto eher glauben wir das. Bevor du nun aber mit deinem Staubsauger alles aufsaugst, was da an Worten im Orbit herumschwirrt, beobachte einmal in welchem Zustand die Person gerade ist, die mit dir spricht. Und wenn du so etwas hörst wie: "ICH würde mir das nochmal überlegen", dann sagt die Person dir gerade viel mehr über sich selbst als über dich.

 

Meine Eltern haben mir sehr oft sehr gut gemeinte Ratschläge gegeben. Einen Job aufzugeben oder eine Partnerschaft, daran wollten sie mich gern hindern – nicht, weil sie mir nichts zugetraut hätten (das habe ich daraus gemacht), sondern, weil sie besorgt waren. Sie haben sich eine Zukunft für mich ausgemalt, die nicht meine war. Sie selbst wären vielleicht einen anderen Weg gegangen, basierend auf ihrer Vergangenheit, ihren Werten, ihren Träumen und Bedürfnissen. Sie haben es gut gemeint. Sie konnten aber nicht fühlen, was ich gefühlt habe. Mein Vater hat sich mal sehr lange mit mir hingesetzt und sich angehört, warum ich nicht von meinem langjährigen Partner trennen wollte. Danach sagte er: "Ich bin eigentlich hergekommen, um dir zu sagen, dass du die falsche Entscheidung triffst, aber jetzt verstehe ich dich und ich glaube, es ist richtig, was du machst." 

 

Jeder ist einzigartig

 

Nicht mit jeder Person, die etwas zu mir sagt, kann und möchte ich mich stundenlang hinsetzen. Es wird mich auch nicht jeder am Ende eines solches Gespräches verstehen oder sich in mich hineinfühlen können. Jeder hat andere Maßstäbe. Wenn Menschen 40 Jahre verheiratet sind, lachen sie sich kaputt, wenn man behauptet, eine zwölf Jahre andauernde Beziehung wäre eine lange Zeit. Für andere ist es lang, zwei Jahre mit jemandem zusammen zu sein. Nichts davon ist richtig, nichts falsch. Wichtig ist, dass du für dich selbst klar mit dir bist. Den Maßstab für dein Leben bestimmst du selbst. Und der kann sich auch ändern. 

 

Gleiches gilt, wenn jemand sagt, dass du etwas nicht kannst. Woher soll die Person das wissen? Vielleicht konntest du etwas nicht, als du zehn Jahre alt warst. Was sagt das über den heutigen Tag aus? Wenn wir das, wozu wir imstande sind und wozu nicht, immer an der Vergangenheit festmachen, könnten wir uns heute noch immer die Schnürsenkel nicht zubinden. 

 

Eine unbedachte oder sogar gut gemeinte Äußerung sollte uns nicht in unseren Grundfesten erschüttern oder dazu führen, dass wir über Jahre – vielleicht sogar Jahrzehnte – Dinge über uns glauben, die uns schlecht fühlen lassen. Lass nicht andere Menschen darüber bestimmen, wer du bist oder was du erreichen kannst. Du hast jeden Tag, jede Stunde und jede Minute die Chance, dich neu zu erfinden. Dabei hilft es, sich selbst einen kleinen Filter von den unersättlichen Staubsaugerkopf zu installieren.

 

 

Möchtest du mehr über das Thema erfahren?

In meinem Workshop "Drive" am 28. September, beschäftigen wir uns intensiv mit den Themen Selbststeuerung & Selbstliebe. 

 

Mehr Informationen dazu findest du hier.

 

 

Bildquelle: Walt Disney

 

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Im nächsten Teil geht es darum, warum wir uns auch selbst oft keine "reliable source of information" sind.